Welche Auswirkungen wird die kommende Gesetzesänderung auf die Verifizierung haben?

Welche Auswirkungen wird die kommende Gesetzesänderung auf die Verifizierung haben?

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Die Online Unterhaltung in Deutschland wird zunehmend schneller und schärfer als ursprünglich geplant reguliert. Noch bevor das Jahr 2026 offiziell beginnt, hat die Politik bereits die Zügel angezogen und tief in einen Markt eingegriffen, der längst Milliarden umsetzt.

Ein Gesetz kommt früher als gedacht

Wer in den vergangenen Monaten versucht hat, im Internet unkompliziert zu spielen, der musste sich mit Warnfenstern, Altersabfragen und Identitätsprüfungen auseinandersetzen. Und es wird nicht besser werden. Ein Regelwerk, das eigentlich erst Ende 2026 umfassend überprüft werden sollte, wird vorgezogen und grundlegend nachgeschärft. Gemeint ist der sogenannte „Zweite Glücksspieländerungsstaatsvertrag“. Schon jetzt steht fest, dass Nutzer dessen Auswirkungen deutlich spüren werden.

Ursprünglich haben die Bundesländer den Plan gehabt, den im Jahr 2021 eingeführten Glücksspielstaatsvertrag erst nach mehreren Jahren gründlich zu evaluieren. Aber die Marktentwicklung hat diesen Plan überholt. Tatsächlich breiten sich illegale Angebote weiter aus. Der politische Konsens lautet inzwischen: Abwarten ist keine Option mehr. Wer übrigens vor hat, Casinos ohne Datenüberprüfung zu nutzen, ist gut beraten, sich im Vorfeld zu informieren. Hat der Anbieter eine Lizenz? Wie sehen die im Internet zu findenden Test- und Erfahrungsberichte aus? Gibt es Zweifel an der Seriosität, sollte man die Finger davon lassen.

Mehr Durchsetzungskraft für die Aufsicht

Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder steht im Mittelpunkt der Reform. Bislang wurde sie von den Kritikern häufig als zu langsam und zu eingeschränkt wahrgenommen. Genau da setzt der neue Entwurf an. Die Behörde soll nämlich nicht nur beobachten, sondern auch in der Lage sein, aktiv eingreifen zu können.

Das IP-Blocking stellt ein zentrales Instrument dar. Hinter diesem technisch klingenden Begriff verbirgt sich eine Möglichkeit, wie Internetzugänge zu illegalen Glücksspielseiten gezielt gesperrt werden können. Bislang war dieses Vorgehen rechtlich umstritten und konnte in der Praxis schwer durchgesetzt werden. Mit der Schaffung einer klaren gesetzlichen Grundlage kann sich das ändern. Der neue Paragraf orientiert sich dabei am europäischen Digital Services Act und soll in weiterer Folge den Weg für schnellere Sperren ebnen.

Das Thema Sicherheit wird zum entscheidenden Faktor

Tatsächlich betrifft das wachsende Bedürfnis nach Orientierung längst nicht mehr nur das Glücksspiel. Ob digitale Unterhaltung oder größere Anschaffungen im Netz: Verbraucher legen zunehmend Wert auf Seriosität und Transparenz. Wer sich heute dafür entscheidet, ein hochwertiges Produkt zu kaufen, der überprüft Bewertungen, sieht sich im Internet veröffentlichte Testergebnisse an und holt auch Informationen über den Anbieter ein. Diese Haltung überträgt sich immer stärker auf Online Dienste.

Gerade weil der Staat immer stärker reguliert, suchen die Nutzer gezielt nach Plattformen, die rechtlich sauber sind. Entsprechend wächst auch das Interesse an Vergleichen und Übersichten, die legale Anbieter ganz klar von problematischen Angeboten trennen. Niemand will riskieren, dass er auf einer Plattform landet, die einen Tag später gesperrt ist.

Ein Milliardenmarkt unter Zeitdruck

Der politische Wille, zu reagieren, hat auch wirtschaftliche Gründe. Für das kommende Jahr rechnen die Experten in Deutschland mit einem Branchenumsatz von rund 14,4 Milliarden Euro. Ein Großteil der Erlöse entsteht inzwischen mobil, also über Smartphones und Tablets. Der Markt ist schnell, international und technisch hochentwickelt. All das sind Eigenschaften, mit denen klassische Verwaltungsprozesse lange nicht Schritt halten konnten.

Die geplante Reform setzt deshalb nicht nur bei den Netzsperren an. Auch Zahlungsströme sollen in weiterer Folge stärker überwacht werden. Dabei wird das Ziel verfolgt, dass illegalen Anbietern die finanziellen Grundlagen entzogen werden. Gleichzeitig will man den Informationsaustausch zwischen den Behörden verbessern. Bisher führten diese föderalen Zuständigkeiten und Datenschutzfragen oft zu Verzögerungen. Künftig sollen relevante Daten aber schneller zur Verfügung stehen, zumindest, während es ein laufendes Prüfverfahren gibt.

Innerhalb Deutschlands gilt übrigens Bayern als besonders konsequent, wenn es darum geht, das Glücksspielrecht durchzusetzen. Diese Linie dürfte sich mit der Reform weiter verschärfen. Die bayerischen Behörden erhalten jetzt weitere Möglichkeiten, wie sie gegen unzulässige Werbung und nicht lizenzierte Angebote vorgehen können.

Zwischen Umstellung und langfristigem Ziel

Die Reform bedeutet für die Verbraucher, dass es mehr Regeln gibt, aber auch mehr Kontrollen. Langfristig soll jedoch ein sichereres und transparenteres Umfeld entstehen, in dem legale Angebote klar erkennbar sind und schwarzen Schafen schneller das Handwerk gelegt werden kann.

Fest steht: Der Gesetzgeber will nicht mehr länger zusehen, wie sich ein milliardenschwerer Markt seiner Kontrolle entzieht. Die vorgezogene Reform markiert einen Wendepunkt in der deutschen Glücksspielregulierung. Ob das Ziel erreicht wird, das wird sich aber erst zeigen.

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Berlin Poche

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